Warum du die Papierflut nicht ignorieren solltest

Viele Kollegen fragen sich in diesen Tagen, was die ganze Papierflut in den Briefkästen und Mailpostfächern soll. Jeden Tag kommen neue Briefe von Heimen, Ärzten, Ergotherapeuten und anderen Dienstleistern. Diese enthalten Formblätter mit Einwilligungserklärungen zur Datenweitergabe für die von uns betreuten Menschen. Keine Frage: Das nervt und verursacht viel zusätzliche Arbeit. Neben den anderen wichtigen Aufgaben, die in der eh schon sehr knapp bemessenen pauschal vergüteten Zeit erledigt werden müssen, ist die Versuchung groß, diese zusätzliche Papierflut nicht mit höchster Priorität zu bearbeiten.

Aber was steckt dahinter?

Das Stichwort lautet Datenschutzgrundverordnung (kurz: DSGVO). Seit dem 25. Mai 2018 gilt ein neues und verschärftes Datenschutzrecht in der ganzen Europäischen Union und somit auch bei uns in Deutschland. Diese Verordnung will den Missbrauch von personenbezogenen Daten verhindern. Der Bürger soll eine bessere die Kontrolle über seine Daten und deren Verwendung bekommen. Das ist ja grundsätzlich ein lobenswertes Ziel. Es hat jedoch zur Folge, dass viele Stellen, z.B. Heime, Krankenhäuser, Ärzte etc. nicht mehr ohne weiteres die Daten unserer Betreuten an andere Stellen weitergeben dürfen. Streng genommen durften sie das früher auch nicht, aber es wurde nicht so genau kontrolliert. Außerdem war es natürlich oft sinnvoll, zum Wohle des betreuten Menschen und in seinem Sinne. Man stelle sich nur als Beispiel vor, der Betreute lebt im Heim und muss als Notfall ins Krankenhaus eingeliefert werden. Natürlich macht es Sinn, dass die aktuellen Gesundheitsdaten des Betreuten vom Heim an die Klinik und die weiterbehandelnden Ärzte weitergegeben werden. Nach der neuen, strengen Rechtslage riskieren die weitergebenden Stellen, also in unserem Beispiel das Heim, allerdings großen Ärger, z.B. Bußgelder, wenn nicht nachweisbar dokumentiert ist, dass die Daten weitergegeben werden durften. Daher die Papierflut der Einwilligungserklärungen….

Fazit:

Die Einwilligungserklärungen sind in den meisten Fällen eine wichtige Grundlage, damit die Stelle, z.B. das Heim weiterhin seine Arbeit sinnvoll erledigen kann. Daher sollten wir zeitnah diese unterschreiben und zurücksenden. Wir riskieren ansonsten, dass wichtige Informationen aus Datenschutzgründen nicht weitergegeben werden, was im Einzelfall für unseren Betreuten sehr nachteilig sein könnte.

So sieht sie leider aus, die Praxis der Umsetzung des neuen Datenschutzrechts: Papierreich, nervig und bürokratisch. Ob die DSGVO ihr Ziel, die Daten der Bürger besser zu schützen, tatsächlich erreicht, sei dahingestellt.

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